Herzlich Willkommen im Forum der neuen Informations- und Kommunikationsplattform FLUGZEUGE-SELBER-BAUEN!
Da es bisher kein deutschsprachiges Forum dieser Art mit Konzentration auf genau dieses Thema gibt, soll hiermit ein Versuch gestartet werden, Informationen besser verfügbar und den Eigenbau von Flugzeugen generell populärer zu machen.

!!Wer sich registrieren möchte, muss zusätzlich eine Email an forum@flugzeuge-selber-bauen.de senden und kurz was zu seinem Interesse am Flugzeugbau mitteilen!!
Auf Grund vieler Spam-Anmeldungen lösche ich jede Anfrage, die ohne so eine zusätzliche E-Mail kommt!
Also bitte zusätzlich zur normalen Registrierungsfunktion eine Email schicken! Danke!

Es wird Wert darauf gelegt, dass die Diskussionen hier im Forum freundlich und sachlich verlaufen!

Für jede anregende Teilnahme am Forum bedanke ich mich schon jetzt.


TIM

Neuinterpretation des Pietenpol gesucht

Hier können die wildesten Ideen diskutiert werden.
Antworten
rki67
Beiträge: 141
Registriert: 16 Okt 2016, 10:21
Wohnort: Da wo kein Pfeffer wächst

Neuinterpretation des Pietenpol gesucht

Beitrag von rki67 » 09 Aug 2018, 11:41

Hallo da bin ich mal wieder.

Unser kleine Verein schaut sich derzeit ein paar Flugzeugtypen an, unter anderem die Pietenpol AirCamper.

Die Konstruktion ist mittlerweile annähernd 80 Jahre alt, und die Frage kahm auf, ob dieses Konstrukt nicht etwas verfeinert werden könnte und der heutigen Zeit angepasst.

Der Holzbau sollte unbedingt beibehalten werden, ist ja auch die Eigenart des Flugzeuges.

Für mich selbst, sollte der Rumpf etwas grösser sein; Herr Bernard Pietenpol war gerade mal 160cm gross, mit einem demenstsprechenden Schuhwerk, und ich 197cm bei einer Schuhgrösse von fast 46, da pass ich nicht rein.

Hat jemand eine Idee für ein Parasol Holzflugzeug, welches in einem Klub gebaut werden kann, und für grosse geeignet ist.

Der Rumpf des Pietenpol galt als äusserst Robust und vertrug auch die eine oder andere Crashlandung, ohne sich in Brennholz aufzulösen.

Gruss rki

jes
Beiträge: 3
Registriert: 01 Sep 2019, 18:13

Re: Neuinterpretation des Pietenpol gesucht

Beitrag von jes » 02 Sep 2019, 07:52

Hallo
ich sehe es ist eine Weile her und es hat bisher niemand geantwortet. Da mich der Air Camper auch interessiert, versuche ich mal eine halbwegs qualifizierte Antwort zu geben.
Zunächst mal die Frage zurück, warum der Air Camper?
Um dies zu beantworten bräuchte ich mal Dein Lastenheft. Was soll das Teil können und was braucht es nicht können?
Aufgelistet ist eigentlich nur, dass es Holzbau sein muss und dass eine Person von 1,94m Länge und Schuhgröße 46 zumindest im hinteren Pilotensitz Platz haben soll. Letzteres, so hast Du schon erkannt, wird beim Air Camper schon nicht so einfach.
Nun treffe ich mal ein paar Annahmen:
* Air Camper hat auf dem Papier 2 Sitzplätze, es soll also ein Doppelsitzer sein
* Der Air Camper ist relativ einfach im Aufbau und das soll wohl das Ziel sein
* Der Air Camper kommt mit rel. wenig Motorleistung aus. Damit wird erwartet, dass auch der Kraftstoffverbrauch und damit die Betriebskosten niedrig ist.
* Durch die sehr große Flügelfläche ist der Air Camper langsam, was bei Start und Landung erwarten läßt mit kurzen Pisten auszukommen.
Aber, der Air Camper erfüllt schon mal das Kriterium nicht für den Piloten. UND, falls ihr mal einen Air Camper in natura gesehen habt, dann dürfte klar sein, das vordere Cockpit ist kaum nutzbar. Wer nicht über akrobatische Fähigkeiten verfügt kommt da weder rein noch raus. Die obere Fläche ist zu dicht über dem Rumpf, einen seitlichen Tritt gibt es nicht und die vielen Spanndrähte zusammen mit den Streben verbauen den Weg. Eine seitliche Tür gibt es auch nicht und der Ausschnitt im Rumpf für den Passagierraum ist extrem knapp.
Da bleiben jetzt 2 Möglichkeiten:
1. eine Konstruktionsänderung. Man skaliert den Air Camper einfach mal um 20% und schaut mal, was passiert.
2. man sucht vielleicht doch ein geeigneteres Flugzeug.
Zu 1: der Mehraufwand kann da nicht vernachlässigt werden. Wir reden hier schon mal vorab von einem Experimentalbau, nicht Amateurbau, so dass der Erbauer sowieso schon einige Arbeit mit der Nachweisführung hat, ohne Änderungen. Jetzt kommen die Änderungen hinzu, die rechnerisch zu belegen sind und i.d.R. einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich ziehen. Das fängt mit der gesteigerten Masse an, geht über den Leistungsbedarf im Antrieb (und damit Spritverbrauch, und damit Tankvolumen....) bis hin zu Lastfällen und Strukturauslegung, Wer das kann, kann das tun. Ev. findet man ja noch mehr Parteien, die die gleichen Interessen haben und teilt sich die Arbeit.
Zu 2:
A. es gab und gibt ev. immer noch Konstruktionen, die für den Amateurbau freigegeben sind. Heißt, die Konstruktionen haben bereits eine Musterzulassung, und solange man nicht von den Bauvorgaben abweicht, hat man keine Arbeit mehr mit den Nachweisen und Gutachten. Einige ULs haben so etwas (Kiebitz, Vagabund etc. hier kenne ich mich wenig aus), es gibt einige E-Klasse Flugzeuge (Jodel, Emmeraude..), die ebenfalls für den Amateurbau lizensiert sind und waren. Hier ist dann ev. im Vergleich zum Air Camper die Zeit in der Werkstatt höher, aber man spart am Papier.
B. in einigen europäischen Staaten (noch auch GB) werden Konstruktionen für den Selbstbau offiziell geprüft. D.H. der Konstrukteur hat, bevor er Lizenzen verkaufen darf, gewisse Nachweise gegenüber der nationalen Behörde zu führen. Das klingt ähnlich einem Amateurbau in D. Ich weiß nur nicht, in wie weit diese Freigaben in D anerkannt werden bzw. ob, wie und in welchem Umfang man ev. an diese Nachweise kommt zwecks Verwendung für die Zulassung in D.
Egal ob 1 oder 2, ich würde mich mal bei der OUV oder DAeC erkundigen, was machbar ist und was Leute empfehlen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigt haben. Den Air Camper umbauen...sportlich.
Mein 5ct dazu
JEs

jes
Beiträge: 3
Registriert: 01 Sep 2019, 18:13

Re: Neuinterpretation des Pietenpol gesucht

Beitrag von jes » 02 Sep 2019, 20:30

Hi
Noch mal ich.
Tim hatte seinerzeit mal einen Link gesetzt, unter dem man die Originalpublication des Aircamper im glider manual finden kann. Das sind die Pläne mit Ford A Motor, also der kurze Rumpf. Es gibt noch zwei andere Rümpfe, die für den Corvair-Motor gedacht sind. Dieser Motor ist leichter.

Ausgehend von dem Urrumpf fällt mir negativ auf
1. der Rumpf ist außen max. 24" breit, abzüglich der Längsträger und Diagonalen bleiben unter 22" übrig, also etwa 55cm. Das ist seeehhhrr schmal. 24" innen wäre die absolute Untergrenze.
2. mit 1.94m bekommt man, glaube ich, grundsätzlich erst mal keine großen Probleme. Der hintere Sitz ließe sich etwas anpassen und die Beine gehen am Passagiersitz vorbei. Ob hier aber Schuhgröße 46 passen...k.A.
3. aus den Plänen so geht mir nicht ganz hervor, wie die Spannseile alle laufen. Da kommen scheinbar auch noch Seile für die Querruderanlenkung dazu. Im Rumpf scheint auch reine Seilsteuerung zu sein.
4. Auch am Leitwerk ist quasi alles miteinander verdrahtet. Auch hier würde ich mal überlegen, ob das nicht mit etwas mehr Arbeitsaufwand zu vermeiden ist, da Drähte einen enormen Widerstand verursachen und gerne zu Vibrationen neigen. Ich meine eine Cub oder Citabria ist auch nicht so verspannt und verdrahtet und fliegt auch.
5. Der Baldachin, der die Fläche trägt, erscheint mir sehr niedrig. Dies erschwert den Einstieg vorne. Diesen aber verlängern ändert die Geometrie von fast allem. Gerade die Flächenabstrebung ist schon jetzt sehr lang, würde damit noch länger und damit noch anfälliger gegen Knicken.
6. Mir persönlich würde der Air Camper als Doppeldecker sehr gefallen. Damit könnte man den oberen Flügen noch ein Stück vorverlegen, hätte einen Tritt zum Einstieg vorne, die Flächenstützen würden durch Stiele ersetzt, damit könnte man den Baldachin aber sehr leicht etwas höher machen. Und die Flächen bräuchten nicht mehr so lang sein, weil, man hat ja jetzt 2 und damit mehr Auftrieb als vorher.

Laß mal hören, was draus geworden ist
JEs

Antworten